Einträge getaggt mit Internet

re:publica 2014 - INTO THE WILD - #rp14 (von re:publica)

Und kann es nicht auch sein, dass das, was an Online-Veröffentlichtem privat erscheint, in Wirklichkeit eine Inszenierung von Privatheit ist, eine Schein-Privatheit? Warum sollten denn ausgerechnet sensible Daten auf Facebook an den Personenkreis gegeben werden, der schon heute aus durchschnittlich 250 Kontakten besteht, zu denen überwiegend nur lose Bindungen (loose ties) bestehen? Privates, das nicht privat ist, kommuniziert an Freunde, die keine sind: Das wäre ein gutes Beispiel für eine soziale Reaktion auf Technik. Der beste Beschützer eigener Daten tarnt sich als Poser. Vor allem junge Menschen nehmen eine Rolle ein, ganz spielerisch als homo ludens, manche kehren ihr Innerstes nach außen, sie posten lieber selbst, als Kontrolle zu verlieren. Die meisten berichten von sich im News-Modus oder reichen Unterhaltung weiter und kopieren so die Massenmedien. Was keine Anerkennung bringt, etwa der Blick ins eigene Schlafzimmer, das Klagen über Krankheiten und der Schmerz einer Trennung, findet auf Facebook kaum statt, sondern wird als Quasi-Literatur wie in alten Zeiten auf Blogs verarbeitet. Was unter dieser Schicht aus News und Unterhaltung liegt – Familiengeheimnisse, unerfüllte Liebe, Alkoholismus und Depression –, bleibt unartikuliert oder wird maskiert, ganz wie auch sonst bei analogen losen Bindungen. Die Privatheit verschwindet nicht durch Veröffentlichung von Hausfassaden, Urlauben, CD-Käufen und Tellergerichten. Privatheit ist ein soziales Konstrukt, und als solche nimmt sie auch im digitalen Raum langsam neue Formen an. Macht, Bedrohung und Diskriminierung hingegen, vor denen die Privatheit schützen soll, sind Grundkonstanten menschlichen Lebens, die digital wie analog immer wieder eingehegt werden müssen.

Warum die Digitale Revolution des Lernens gescheitert ist - Jöran Muuß-Merholz beim 30c3 (von Jöran Muuß-Merholz)

adciardelli:

The Internet in Society: Empowering or Censoring Citizens?

In this new RSA Animate, author and journalist Evgeny Morozov presents an alternative take on ‘cyber-utopianism’ – the seductive idea that the internet plays a largely empancipatory role in global politics.

(Von adciardelli gerebloggt)

Gysi: „Ich bin dieses Duckmäusertum sowas von leid” (deutsch/english version) (von exzombieschaf)

#om13 - Letztlich soll Politik wirksam sein (Gunter Dueck) (von PiratenStreaming)

Interview mit Johnny Haeusler bei heute.de

  • heute.de:
  • Sie schreiben, dass Sie nicht von Ihren beiden elf- und 14-jährigen Söhnen irgendwann einmal gefragt werden möchten: "Warum habt ihr damals nichts unternommen"? Ist das Ihr stärkster persönlicher Antrieb, sich am Protest gegen die große Überwachung zu beteiligen?
  • Haeusler:
  • Ja, unbedingt. Klar kann ich meinen Söhnen auch
  • Verschlüsselungssoftware empfehlen, aber sie sollen nicht lernen, sich zu verstecken – sie sollen lernen, ihre Rechte einzufordern! Es gibt zwar noch immer Leute, die sagen: "Na, so schlimm ist es doch alles nicht mit der Überwachung." Aber ich weiß ehrlich nicht mehr, wie weit wir schon sind. Ich bin kein Verschwörungstheoretiker, aber gerade frage ich mich schon: Was geht hier ab? Was geht in Menschen vor, die einen wahnsinnigen Überwachungsapparat auf die Beine stellen, um angeblich totale Sicherheit zu garantieren, die es einfach nicht gibt.
… ebenso wie Edward Snowden möchte ich nicht in einer Welt leben,
wo mein Leben komplett protokolliert wird,
wo mein Leben komplett überwacht wird,
weil das nenne ich nicht mehr Demokratie!
Irgendwann wird die Öffentlichkeit erkennen, dass all diese von Unternehmen und Regierungen gesammelten Daten einen saftigen Preis haben - den Verlust politischer Macht. Es gibt einen Grund, warum diese Daten für Wirtschaft und Politik wertvoll sind: Information ist Macht. Und wenn jemand anderes deine Daten hat, du aber keine von ihm, dann hast du gerade einen großen Teil deiner politischen Macht geopfert.

Guter Aspekt, von Daniel Suarez, dessen Bücher ich wohl doch mal lesen muss.

Die asymmetrische Verteilung der Information und der Transparenz ist eines der Kernprobleme der Überwachung. Weil Information Macht bedeutet.

NSA-Skandal: “Wenn du überwacht wirst, bist du politisch kastriert” - ZEIT ONLINE mobil

(via egghat)

(Von egghat gerebloggt)

Telekom - Netz der Zukunft (von alexanderlehmann)

re:publica 2013 - Tanja Haeusler, Johnny Haeusler: Netzgemüse: The Kids Are Alright (von re:publica)

(Von sz-gefaellt-mir gerebloggt)

re:publica 2013 - Gunter Dueck: Aufruf zum metakulturellen Diskurs (von re:publica)

sz-gefaellt-mir:

Ein Bild aus dem Juni 2008 macht gerade die Runde im deutschsprachigen Netz. Es zeigt einen Akustikkoppler, den der Flickr-Nutzer secretlondon123 damals im Südosten der britischen Hauptstadt fotografiert hat. Dass dieses analoge Modem gerade so große Popularität auslöst, liegt an der Deutschen Telekom. Diese hatte gestern angekündigt, eine Datenvolumengrenze für Pauschaltarife beim Internetzugang einzuführen. Flatrates, die ab dem 2. Mai abgeschlossen werden, sollen demnach ab einer gewissen Grenze gedrosselt werden. Diese Form der Drosselung ist im Mobilfunkbereich bereits heute üblich und soll nach Telekom-Angaben ab 2016 auch im Festnetzbereich umgesetzt werden.

Die Reaktionen aus dem Netz auf diese Pläne waren nicht gerade positiv.  Auf dem sehr bekannten Blog Netzpolitik.org (wo wir das Foto rebloggen) wurde die Reaktion mit dem Foto des Akustikkoppler bebildert. Doch das Foto aus dem Juni 2008 erhielt dazu eine Überarbeitung: “Jetzt Retro-DSL buchen: Surfen wie früher” hat John F. Nebel, von metronaut.de, daneben geschrieben - um seinem Protest satirisch Ausdruck zu verleihen. Auf Metronaut hat er weitere Motive zusammengestellt, die alle das gleiche ausdrücken: die geplante Drosselung ist ein Fehler.

Der Netzpolitiker Malte Spitz (Grüne) erklärt auf Zeit-Online was ihn an den Plänen - denen sich womöglich auch Konkurrent Vodafone anschließt - stört: Er sieht darin einen Angriff auf die Netzneutralität

Die Tarifänderung ist der Versuch, den lange gehegten Plan von René Obermann umzusetzen, alle zur Kasse zu bitten: Kunden, Plattformbetreiber und Inhalteanbieter. Das ist das Ende der Netzneutralität: Eine Bevorzugung bestimmter Inhalte wird zwingend dazu führen, dass andere Angebote benachteiligt werden.

Diese Prinzip, Inhalte im Internet gleichzubehandeln und nicht vorher zu kontrollieren, welche Inhalte wie durchgeleitet werden, wird bereits seit längerem von digitalen Bürgerrechtlern entschieden verteidigt. Sie vergleichen es mit dem Fernmeldegeheimnis, das eben auch garantiert, dass der Postbote keine Briefe öffnet, um zu kontrollieren, welchen Inhalt er (wie schnell) transportiert.


Das Bild aus dem Juni 2008 wird für diesen Protest nun zu einem Symbolbild. Auf Twitter versammelt sich der Widerstand unter dem Hashtag #drosselkom, was eine Kombination aus den Begriffen Drosseln und Telekom ist - und der Name eines Protestaccounts. Diese Form des Mashups ist durchaus üblich bei derlei Protest (wie ja auch die Motive zeigen) und sie hat schon häufiger dafür gesorgt, dass digitaler Protest in der Welt der Phänomeme gehört wurde - vielleicht trägt diesmal ein Akustikkoppler aus der Vergangenheit dazu bei.

(Von sz-gefaellt-mir gerebloggt)